Sonntag, 25. Januar 2015

Zaubersprüche





Fragt der Andere ein Jener: “ Kann man mit Zaubersprüche fliegen." Antwortet der Jener: "Wahrscheinlich nicht."

Unschwer zu erkennen geht dieser Post um Zaubersprüche.

Zu Beginn ein Zauberspruch, welcher gegen Würmer bei Pferden hilft. Er stammt aus dem 10. Jahrhundert.

Gang ût, nesso, mid nigun nessiklinon,        nesso = Wurm; nigum = neun; nessiklin = Würmchen
ût fana themo marge an that ben,                  marge = Mark; ben = Knochen
fan themo bene an that flesg,                        flesg = Fleisch;
ût fan themo flesgke an thia hud,                  hud = Haut
ût fan thera hud an thesa strala                     strala = Strahl/Teil des Hufes; ist aus Horn
Drohtin, uuerthe so.                                      drohtin = Herr/Gott/Christus; uuerthe = es werde.



Merseburger Zaubersprüche



Wie auch hier unschwer zu erkennen ist, ist dass nicht in Hochdeutsch geschrieben. Sondern in Althochdeutsch. Gesprochen wurde dies in den Jahren 750-1050. Was ihr natürlich schon wisst, den ihr habt ja auch meinen Post über die indogermanischen Sprachen gelesen.:)
Hingegen die Zaubersprüche von Harry Potter sind in lateinisch geschrieben, oder sollten lateinisch klingen.
Hierzu auch noch ein paar Beispiele.

Accio:           lässt Gegenstände aus der ferne zu einem Fliegen
Bombada:     lässt Wànde einstürzen
Colloportus: Versiegelt Fenster und Türen kurzfristig
Deletrius:      löscht den Zauber, der mit Prior Incantato beschworen wurde aus



Diese Zaubersprüche haben, jedoch nicht viel Gemeinsames mit den Zaubersprüchen aus dem Mittelalter.

Aus der Zeit des 9. bis 11. Jahrhunderts sind aus England und Deutschland eine Fülle von kürzeren Texten überliefert, die, aufgrund ihres naturmagischen Inhalts und durch ihre appellativ-beschwörende Form, gemeinhin unter dem Gattungsbegriff "Zauberspruch" zusammengefaßt werden. Galdor, die zeitgenössische englische Bezeichnung für diese Sprüche, bedeutet auch singen und ist heute noch im Vogelnamen nightingale erhalten. Man schliesst daher, dass die Zaubersprüche wie
ein Gesang vorgetragen wurden. Das Wort cræft hingegen steht für Kraft oder Fähigkeit.


 
 
Ein Zauberspruch ist ein Beschwörungstext, der eine bestimmte zauberische Wirkung hervorbringen soll. Er ist eine Verbalmagie. Die Zauberspruchausführung kann mit einem Ritual verbunden sein, dass der Zauber einen Nutzen von sich gibt. Die Zaubersprüche müssen etwas Faszinierendes an sich haben, oder weshalb gibt es den Begriff und den Glauben an Zaubersprüche heute noch. Ein Zauberspruch hilft Jemandem, dem Bösen/Schlechten zu entfliehen. Was natürlich ein schönes Denken für den Betroffenen ist. Heutzutage hat das Glauben an Zaubersprüche jedoch massiv abgenommen, durch den ständigen Durst nach Wissen, wurde die Vorstellung, dass ein Zauberspruch eine Wirkung von sich gibt, geschwächt.
Jedoch gibt es nicht nur Zaubersprüche die Gutes bewirken, sondern auch solche die Menschen vergiften oder die Ernte schädigen. Diese Zaubersprüche wurden von Hexen gesprochen, welche einen Pakt mit dem Teufel hatte.
Dies war die Begründung für die Missernten oder das Scharren, welches in der Nacht am Haus gehört wurde. Durch diese Vorstellung wurden die Hexen verfolgt und qualvoll auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Somit kam auch die Idee, dass Zaubersprüche nicht nur Gutes sondern auch Böse sein können.

In der vorchristlichen, heidnisch-germanischen Frühzeit dienten Zaubersprüche jedoch dazu, „durch die Macht des gebundenen Wortes die magischen Kräfte, die sich der Mensch dienstbar machen will, nutzbar zu machen“. Die im Mittelalter aufgezeichneten Zaubersprüche stammen zumindest konzeptionell aus antik-römischen, germanischen und von Mönchen und Mönchsärzten aufgetanen Quellen und sind meist christlich geprägt oder beeinflusst.











 

Der heilige Gral


Es gibt Dinge, welche nicht so sind, wie sie es vorgeben zu sein!



Fragt der Bruder vom Anderem: "Ist der heilige Gral ein Gartenmöbel?" Daraufhin antwortet die Schwester vom Bruder des Anderen: " Nein, der heilige Gral ist für etwas Anderes gedacht."



Unschwer zu erkennen geht dieser Post um den heiligen Gral.




Die Legende des heiligen Grals kam im späten 12. Jahrhundert in vielseitiger Form in der mittelalterlichen Artussage. Verfasst wurde die bekannte Gralsdichtung von Wolfram von Eschenbach
 Die Herkunft des Wortes Grals ist noch nicht restlos geklärt. Am wahrscheinlichsten ist die Herleitung aus okzitanisch grazal, altfranzösisch graal ‚Gefäß., Schüssel.
Der Gral ist angefüllt mit irdischen und göttlichen Kräften.

Alle Überlieferungen zur Legende des Grals beschreiben, wie der Gral ein wundertätiges Gefäss ist, welches eine Form von einem Kelch oder eines Steines hat. Mit einer bluttropfende Lanze wird der Gral in einer unzugänglichen Burg von Gralsrittern und einem Gralskönig bewacht.





Der Sage nach bewirkt ein Schluck aus dem Gral, Glückseligkeit, ewige Jugend und Speisen in unendlicher Fülle bieten. Dieses Geschehen wollte natürlich jeder und somit begann die Suche nach dem heiligen Gral. Am meisten begehrt wurde die ewige Jugend, doch die Suche danach wurde vielen zum Verhängnis.
Dieses wunderkräftige und heilige Gefäß, das ewige Lebenskraft spendet, ist umgeben von einer Gemeinschaft, die unter einem Mangel leidet. Dieser drückt sich in verschiedenen Bildern aus; dem Siechtum des Königs, der Unfruchtbarkeit des Reiches, der Sterilität der Gralsgemeinschaft. Daher wartet die Gralsgemeinschaft auf einen Helden, der den Gralskönig erlösen und ablösen kann.
Dieser Held ist Parzival, in dem sich größter Heldenmut und Reinheit vereinen, wächst abseits der Welt auf. Er hat aber den Mangel, dass er kein Sinn für die Wirklichkeit hat.
Der Held verlässt sein behütetes Zuhause und wünscht sich, der bedeutendste Ritter seiner Zeit zu werden. Am Hof von König Artus wird er zum Ritter geschlagen und in die Gemeinschaft der Tafelrunde aufgenommen. Der Held erwirbt sich Ansehen durch seinen tollkühnen Umgang mit Waffen und durch seine naive Art, als er sich einfach auf den „Platz der Gefahr“ setzt.
In dieser Ansicht der Geschehnisse sind alle Überlieferungen gleich. Nun gibt es verschiedene Handlungsstränge. Eine besagt, dass sich der Held alleine auf die Suche nach dem Gral. Die Andere besagt, dass der Heilige Gral als strahlende Vision am Tisch der Tafelrunde erscheint. Worauf sich  dann alle Ritter gemeinsam auf die Suche nach dessen Geheimnis beginnen. Jedoch so munkelt man, kommt der Gral nur denen zu Sicht, welche gar nicht danach suchen.


 
Auf der Reise muss sich der Held vielen Rätseln stellen, beispielsweise die richtige Frage stellen, sich selbst treu bleiben, eine Burg erobern oder Unrecht rächen. Da in einigen Gralslegenden der Zauberer Merlin als eigentlicher Initiator der Suche nach dem Gral angesehen wird, greift er jeweils helfend ein.
Ritter welche einen Makel an sich haben scheiterten an den Versuchen den Gral zu finden. Der Held verändert sich während der Gralssuche, er erwirbt sich zu seinem Mut und seiner Unschuld auch Erfahrung. Zuletzt gelingt es den Rittern gemeinsam oder dem Helden allein, das Geheimnis des Heiligen Grals zu enthüllen. Durch die Taten des Helden wird der Gralshüter, der verletzt oder krank ist, geheilt, und das zerstörte Land erblüht wieder zu einem Paradies. Der Held wird der Nachfolger des Hüters.




Die Kenntnis über die Suche des Grals ist noch aktuell.
Der Film Sakrileg spielt ein wenig über dieses Thema.
Auch heute geht es darum, dass der Mensch von innen heraus erkennt und versteht, dass er zum Gralssucher berufen ist und den Gral in sich selbst verwirklichen muss, um in ein höheres Seelenleben, einen neuen Bewusstseinszustand einzutreten. Darin besteht die unvergängliche Aktualität dieses Motivs.





Samstag, 17. Januar 2015

Minnesang


Minnesang

Fragt Jener der Andere: "Ist Minnesang eine Musikrichtung?" "Nein, diese Vorstellung ist nicht ganz richtig," antwortete der Andere.

Unschwer zu erkennen, geht dieser Post über den Minnesang.








Grosse Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)



























Minnesang

Im Mittelalter war nicht immer alles Aktionen reich, wie wir vielleicht gedacht haben, es kam sogar vor, das die Dorfbewohner Trübsal bliesen und sich langweilten. Da kam die Botschaft recht, dass es eine Unterhaltung gäbe, die gesungen wurde. Man nannte die Unterhaltung "Minnesang", welche von Frankreich kam.
Unter Minnesang versteht sich das Verehren einer meist hochgestellten Dame. Die Verehrung erfolgt durch eine gesungene Liebeslyrik. Es waren meist die Frauen der Burgherrn, an denen der Minnesang vorgetragen wurde. Die Minnesänger wurden für ihr Auftreten bezahlt, oft auch wurden sie mit Instrumenten begleitet. Der Minnesang wurde als Kunst angesehen.





Der Begriff Minne wird gerne mit Liebe übersetzt, jedoch beinhaltet er noch viel mehr Facetten. Gerne wird der Begriff auch mit Nächstenliebe sowie auch mit religiöser Liebe übersetzt. (z.B. die Liebe Gottes zu den Menschen).
Die Liebeslyrik wurde in mittelhochdeutsch gesprochen, in den Jahren 12. bis 14.Jh. Im deutschen Sprachraum kam der Minnesang um 1155 auf. Durch das Vorkommen des Minnesang wurde versucht eine Vereinheitlichung der deutschen Sprachliteratur mit Mittelhochdeutsch zu machen. Wie wir alle wissen, gelang es nicht. Denn rund 400 Jahre später gelang es Martin Luther mit dem heutigen Hochdeutsch.

Angefangen hat die Entwicklung des Minnesangs direkt von der Mariendichtung. Über die französischsprachige höfische Troubadourdichtung zum volkssprachigen Minnesang.

1.
Die erste Phase des Minnesangs entstand im Donauraum (ca.1150-70). Von Dichter namens "der von Kürenber" wie auch "Meinloh von Sevelingen", wurde der Minnesang geprägt.









 


 
Ihre Lieder handelten noch von einer natürlichen und ungekünstelten Auffassung von Liebe. Sie waren aber auch schon durchsetzt mit standesgebundenen Symbolen und Formen.

2.
Die zweite Phase des Minnesang erfolgt zirka um 1170-90. Nun wurde der hohe Minnesang vor allem im Ober- und Mittelrheingebiet gesungen. Im Vordergrund steht der Frauendienst, also das Dienstverhältnis zwischen Ritter und höfischer Dame. Der Gedanke der sittlichen Erhöhung des Mannes war gegeben durch den Minnedienst. Zentrale Begriffe waren triuwe (Treue), mâze (Maß, Bescheidenheit), hôher muot (Hochstimmung, Stolz). Der Minnesang dieser Zeit wurde häufig mit der Kreuzzugsthematik verbunden. Teilweise setzten sich die Dichter jedoch auch mit dem Tagelied, dass den Abschied der Liebenden nach der miteinander verbrachten Liebesnacht besingt, in Widerspruch zu den Ideen der hohen Minne. Dichter des hohen Minnesang waren zum Beispiel Heinrich von Veldeke und Friedrich von Hausen.



3.
Der Höhepunkt ist die 3. Phase der Minnesang. Er wurde um 1190 erreicht.
Die Macht und Gnadenlosigkeit der Minne wird immer mehr hervorgehoben. So auch Heinrich von Morungen, er stellt die Minne als geradezu magische Kraft dar, die ihn völlig in ihren Bann zieht und als Seelenminne über den Tod hinaus weiter besteht. Als die Grenzen des hohen Minnesangs nicht mehr zu brechen waren, kam der Auftritt der niederen Minne, eingeleitet durch Walther von der Vogelweide , aber zum Teil auch mit Reinmar der Alte. Er kam vom Ideal des hohen Minnesangs ab und sang Lieder über „gleichberechtigten Liebe“ („niedere Minne“, genauer gesagt Lieder der „Herzeliebe“, auch „Mädchenlieder“ genannt).


4.
Die letzte Phase ist der Ausklang des Minnesang. Der Ausklang war um das 13. Jahrhundert. Form und Themen wurden zunehmend variiert und zugleich wurde die hohe Minne immer wieder parodiert und persifliert. In der Schweiz wurde die hohe Minne um 1300 noch in klassischer Tradition besungen. (wenn auch weniger originell). Andernorts schrieben Minnesänger bereits ab 1220/30 parodierende und erotisierende Tendenzen (Neidhart, Tannhäuser). Der Begriff Minne ändert sich selbst zum Synonym für den Geschlechtsakt. Im 14. Jahrhundert wurde nun der Minnesang mit dem Aufkommen der Städte, von dem Meistergesang abgelöst.

Unterschied zwischen hohe Minne und niedere Minne

 
Vereinfacht ist Hohe Minne ohne, niedere Minne mit Geschlechtsverkehr.
Folgende Zitate von der Seite
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,2116175,00.html

 
Sowohl die Hohe als auch die niedere Minne beschäftigt sich mit der körperlichen Liebe. Als Ziel aller Sehnsüchte gab es allerdings erhebliche Unterschiede im Weg, wie auch in der Erfüllung.


Der hohe Minnesänger war im Dienst zur Verehrung und zur Hingabe an die reine, adlige Frau. Nicht selten war dies die Ehefrau des Burgherren. An ihr war es, den Verehrer zurückzuweisen. Durch die Zurückweisung konnte er seine Kunst stets weiter vervollkommnen und immer reiner und besser in seinem Streben werden. Die hohe Minne verzichtete auf die erotische Erfüllung, denn dies hätte das Ende des künstlerischen und sittlichen Strebens bedeutet.
"Wer die hohe Minne wünscht, muss vorher, nachher um sie dienen", formulierte Wolfram von Eschenbach im "Parzival".
 
Der niedere Minnesang 
Natürlich wussten die Männer, die körperlichen Reize der Frau zu schätzen. Da Wert und Ehre der edlen Damen vornehmlich in deren Unerreichbarkeit bestand und eine platonische, sich verzehrende Liebe schwer durchzuhalten war, wandten sich die Herren der Schöpfung auch den Vertreterinnen des schönen Geschlechts zu, die zu mehr bereit waren. Es waren dies zumeist unverheiratete, in der sozialen Hierarchie niederer stehende Frauen, für die zum Teil auch keine Heirat vorgesehen war. Sich am Hofe auf eine Beziehung mit einer Adligen, gar verheirateten Dame einzulassen, war heikel, denn man lief leicht in eine Gefahr, sich bloßzustellen. Ehebruch seitens der Frau war ein schweres Verbrechen, bei Männern dagegen wurde ein ausschweifendes Liebesleben toleriert. Erst ab dem Hochmittelalter behandelten Männer die Frauen zunehmend ebenbürtig, man entdeckte die Liebe, auch in der Ehe, neu.
 

 
 

Jetzt noch ein Minnesang von Frank Wunderlich. Nun könnt ihr selber raten, ob es eine niedere Minne oder hohe Minne ist.

 Wol mich der stunde






 
INTERPRET: FRANK WUNDERLICH

Wol mich der stunde, daz ich sie erkande,
diu mir den lîp und den muot hât betwungen,
sît deich die sinne sô gar an sie wande,
der si mich hât mit ir güete verdrungen,
daz ich gescheiden von ir niht enkan.
daz hât ir schoene und ir güete gemachet
und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.

Ich hân den muot und die sinne gewendet
an die vil reinen, die lieben, die guoten.
Daz müez uns beiden wol werden volendet,
swes ich getar an ir hulde gemuoten.
Swaz ich zer werlde fröiden ie gewan,
daz hât ir schoene und ir güete gemachet
und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.
 
Glücklich die Stunde, als sie in mein Leben gekommen,
die mich an Körper und Seele bezwungen,
die all mein Denken und Fühlen genommen
und mich hat mit ihrem Wesen durchdrungen,
dass ich allein ohne sie nicht bestehen kann.
Das hat ihre Schönheit und ihr inneres Wesen gemacht
und ihr roter Mund, der so lieblich lacht.

Ich habe Herz, Mut und Sinne gewendet
hin an die Reine, die Liebe, die Gute.
Dass es uns beiden im Glück werd' vollendet,
was ich auch wage zu hoffen von ihrem beständigen Mute.
Was ich an Freuden nur auf dieser Welt je gewann,
das hat ihre Schönheit und ihr inneres Wesen gemacht
und ihr roter Mund, der so lieblich lacht.

(Übertragung: Hans Hegner)

http://www.minnesang.com/Saenger/walther-texte.html