Minnesang
Fragt Jener der Andere: "Ist Minnesang eine Musikrichtung?" "Nein, diese Vorstellung ist nicht ganz richtig," antwortete der Andere.
Unschwer zu erkennen, geht dieser Post über den Minnesang.
| Grosse Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) |
Minnesang
Im Mittelalter war nicht immer alles Aktionen reich, wie wir vielleicht gedacht haben, es kam sogar vor, das die Dorfbewohner Trübsal bliesen und sich langweilten. Da kam die Botschaft recht, dass es eine Unterhaltung gäbe, die gesungen wurde. Man nannte die Unterhaltung "Minnesang", welche von Frankreich kam.
Unter Minnesang versteht sich das Verehren einer meist hochgestellten Dame. Die Verehrung erfolgt durch eine gesungene Liebeslyrik. Es waren meist die Frauen der Burgherrn, an denen der Minnesang vorgetragen wurde. Die Minnesänger wurden für ihr Auftreten bezahlt, oft auch wurden sie mit Instrumenten begleitet. Der Minnesang wurde als Kunst angesehen.
Der Begriff Minne wird gerne mit Liebe übersetzt, jedoch beinhaltet er noch viel mehr Facetten. Gerne wird der Begriff auch mit Nächstenliebe sowie auch mit religiöser Liebe übersetzt. (z.B. die Liebe Gottes zu den Menschen).
Die Liebeslyrik wurde in mittelhochdeutsch gesprochen, in den Jahren 12. bis 14.Jh. Im deutschen Sprachraum kam der Minnesang um 1155 auf. Durch das Vorkommen des Minnesang wurde versucht eine Vereinheitlichung der deutschen Sprachliteratur mit Mittelhochdeutsch zu machen. Wie wir alle wissen, gelang es nicht. Denn rund 400 Jahre später gelang es Martin Luther mit dem heutigen Hochdeutsch.
Angefangen hat die Entwicklung des Minnesangs direkt von der Mariendichtung. Über die französischsprachige höfische Troubadourdichtung zum volkssprachigen Minnesang.
1.
Die erste Phase des Minnesangs entstand im Donauraum (ca.1150-70). Von Dichter namens "der von Kürenber" wie auch "Meinloh von Sevelingen", wurde der Minnesang geprägt.
Ihre Lieder handelten noch von einer natürlichen und ungekünstelten Auffassung von Liebe. Sie waren aber auch schon durchsetzt mit standesgebundenen Symbolen und Formen.
2.
Die zweite Phase des Minnesang erfolgt zirka um 1170-90. Nun wurde der hohe Minnesang vor allem im Ober- und Mittelrheingebiet gesungen. Im Vordergrund steht der Frauendienst, also das Dienstverhältnis zwischen Ritter und höfischer Dame. Der Gedanke der sittlichen Erhöhung des Mannes war gegeben durch den Minnedienst. Zentrale Begriffe waren triuwe (Treue), mâze (Maß, Bescheidenheit), hôher muot (Hochstimmung, Stolz). Der Minnesang dieser Zeit wurde häufig mit der Kreuzzugsthematik verbunden. Teilweise setzten sich die Dichter jedoch auch mit dem Tagelied, dass den Abschied der Liebenden nach der miteinander verbrachten Liebesnacht besingt, in Widerspruch zu den Ideen der hohen Minne. Dichter des hohen Minnesang waren zum Beispiel Heinrich von Veldeke und Friedrich von Hausen.
3.
Der Höhepunkt ist die 3. Phase der Minnesang. Er wurde um 1190 erreicht.
Die Macht und Gnadenlosigkeit der Minne wird immer mehr hervorgehoben. So auch Heinrich von Morungen, er stellt die Minne als geradezu magische Kraft dar, die ihn völlig in ihren Bann zieht und als Seelenminne über den Tod hinaus weiter besteht. Als die Grenzen des hohen Minnesangs nicht mehr zu brechen waren, kam der Auftritt der niederen Minne, eingeleitet durch Walther von der Vogelweide , aber zum Teil auch mit Reinmar der Alte. Er kam vom Ideal des hohen Minnesangs ab und sang Lieder über „gleichberechtigten Liebe“ („niedere Minne“, genauer gesagt Lieder der „Herzeliebe“, auch „Mädchenlieder“ genannt).
4.
Die letzte Phase ist der Ausklang des Minnesang. Der Ausklang war um das 13. Jahrhundert. Form und Themen wurden zunehmend variiert und zugleich wurde die hohe Minne immer wieder parodiert und persifliert. In der Schweiz wurde die hohe Minne um 1300 noch in klassischer Tradition besungen. (wenn auch weniger originell). Andernorts schrieben Minnesänger bereits ab 1220/30 parodierende und erotisierende Tendenzen (Neidhart, Tannhäuser). Der Begriff Minne ändert sich selbst zum Synonym für den Geschlechtsakt. Im 14. Jahrhundert wurde nun der Minnesang mit dem Aufkommen der Städte, von dem Meistergesang abgelöst.
Unterschied zwischen hohe Minne und niedere Minne
Vereinfacht ist Hohe Minne ohne, niedere Minne mit Geschlechtsverkehr.
Folgende Zitate von der Seite
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,2116175,00.html
Sowohl die Hohe als auch die niedere Minne beschäftigt sich mit der körperlichen Liebe. Als Ziel aller Sehnsüchte gab es allerdings erhebliche Unterschiede im Weg, wie auch in der Erfüllung.
Der hohe Minnesänger war im Dienst zur Verehrung und zur Hingabe an die reine, adlige Frau. Nicht selten war dies die Ehefrau des Burgherren. An ihr war es, den Verehrer zurückzuweisen. Durch die Zurückweisung konnte er seine Kunst stets weiter vervollkommnen und immer reiner und besser in seinem Streben werden. Die hohe Minne verzichtete auf die erotische Erfüllung, denn dies hätte das Ende des künstlerischen und sittlichen Strebens bedeutet.
"Wer die hohe Minne wünscht, muss vorher, nachher um sie dienen", formulierte Wolfram von Eschenbach im "Parzival".
Der niedere Minnesang
Natürlich wussten die Männer, die körperlichen Reize der Frau zu schätzen. Da Wert und Ehre der edlen Damen vornehmlich in deren Unerreichbarkeit bestand und eine platonische, sich verzehrende Liebe schwer durchzuhalten war, wandten sich die Herren der Schöpfung auch den Vertreterinnen des schönen Geschlechts zu, die zu mehr bereit waren. Es waren dies zumeist unverheiratete, in der sozialen Hierarchie niederer stehende Frauen, für die zum Teil auch keine Heirat vorgesehen war. Sich am Hofe auf eine Beziehung mit einer Adligen, gar verheirateten Dame einzulassen, war heikel, denn man lief leicht in eine Gefahr, sich bloßzustellen. Ehebruch seitens der Frau war ein schweres Verbrechen, bei Männern dagegen wurde ein ausschweifendes Liebesleben toleriert. Erst ab dem Hochmittelalter behandelten Männer die Frauen zunehmend ebenbürtig, man entdeckte die Liebe, auch in der Ehe, neu.
Jetzt noch ein Minnesang von Frank Wunderlich. Nun könnt ihr selber raten, ob es eine niedere Minne oder hohe Minne ist.
Wol mich der stunde
diu mir den lîp und den muot hât betwungen, sît deich die sinne sô gar an sie wande, der si mich hât mit ir güete verdrungen, daz ich gescheiden von ir niht enkan. daz hât ir schoene und ir güete gemachet und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet. Ich hân den muot und die sinne gewendet an die vil reinen, die lieben, die guoten. Daz müez uns beiden wol werden volendet, swes ich getar an ir hulde gemuoten. Swaz ich zer werlde fröiden ie gewan, daz hât ir schoene und ir güete gemachet und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet. | die mich an Körper und Seele bezwungen, die all mein Denken und Fühlen genommen und mich hat mit ihrem Wesen durchdrungen, dass ich allein ohne sie nicht bestehen kann. Das hat ihre Schönheit und ihr inneres Wesen gemacht und ihr roter Mund, der so lieblich lacht. Ich habe Herz, Mut und Sinne gewendet hin an die Reine, die Liebe, die Gute. Dass es uns beiden im Glück werd' vollendet, was ich auch wage zu hoffen von ihrem beständigen Mute. Was ich an Freuden nur auf dieser Welt je gewann, das hat ihre Schönheit und ihr inneres Wesen gemacht und ihr roter Mund, der so lieblich lacht. | ||
Hallo Raphael
AntwortenLöschenZuerst einmal finde ich deinen Artikel wirklich äusserst abwechslungsreich und einwandfrei gut recherchiert.
Dein Erzählstil lässt einem mitdenken und man fühlt sich eingebunden.
Allerdings finde ich noch einige kleine Rechtschreibfehler und der ein oder andere Formatierungsfehler ist dir vielleicht unbewusst auch unterlaufen.
Hoffe konnte dich unterstützen.
Freundliche Grüsse
Elias
Guten Abend mein Geliebter
AntwortenLöschenInhaltlich finde ich deinen Text sehr ansprechend. Du sprichst viele Aspekte des Minnesangs an, das hat mir einen guten Überblick über das Thema ermöglicht. Ausserdem hat mich dein Blog inspiriert, meinen Eintrag über den Minnesang nochmals zu überarbeiten.
Wie Elias schon erwähnt hat, haben sich ein paar Rechtschreibfehler eingeschlichen.
Liebe Grüsse Elena
Hallo Elias/Geliebte
AntwortenLöschenDanke vielmal für die konstruktive Rückmeldung.
Ich werde den Text, wegen Rechtschreibung nochmal überprüfen. Die Formatierung hat, jedoch meine Geduld überholt und ich habe keine Lust, noch mehr Zeit zu investieren, wenn es am Schluss wieder nicht geht. So will ich noch sagen, dass die heutige Technik uns noch zur Hölle bringt.
Gruss Raphael